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Helden des Himmels - Michael & Margaretha Sattler

Michael und Margaretha Sattler waren gewöhnliche Leute, Menschen mit einfachen Freuden und Sorgen, Hoffnungen und Ängsten wie alle anderen auch. Doch in der Zeit der Prüfung blieben sie Jahuwah treu. Ihre Standfestigkeit angesichts ihrer Widersacher wird im Himmel reich belohnt werden. Lies ihre Geschichte und erlange die Gewissheit, dass das, was Jahuwah für andere tat, er auch für dich tun wird.

„Sehen Sie sich das hier an! Hurrikan Grace bewegt sich in nördlicher Richtung von der Atlantikküste weg. Er ist gigantisch und wird immer stärker. Und dann ist da dieses Tief südlich von Sable Island. Das wird eine explosive Mischung! Sehen Sie sich das an! Und es kommt noch ein Drittes, nämlich eine frische Kaltfront, die aus Kanada hereinbricht. Sie wird vom Jetstream mitgerissen und bewegt sich zielgerichtet auf den Atlantik zu. Was ist, wenn Hurrikan Grace direkt dort hineingerät? Und das Tief von Sable Island will diese Energie aufnehmen. Es wird die kanadische Kaltfront und Hurricane Grace verschlingen. Selbst wenn man schon sein ganzes Leben lang Meteorologe gewesen ist, hat man so etwas wahrscheinlich noch nie gesehen. Es könnte sich zu einer Katastrophe gigantischen Ausmaßes entwickeln. Es wäre der „perfekte Sturm“!

Todd Gross, TV-Meteorologe

28. Oktober 1991: Gegen Ende der Hurrikan-Saison begann sich im Atlantischen Ozean, östlich von Kanada, ein Sturm zu entwickeln. Dieser starke „Nordost“ absorbierte Hurrikan Grace und wurde so noch gewaltiger. Ein hoher Luftdruck zwang diesen massiven Sturm nach Süden, wo er sich zu einem gewaltigen und sehr starken Zyklon entwickelte. Es war ein Sturm epischen und historischen Ausmaßes, der durch eine Kombination verschiedener Faktoren hervorgerufen wurde. Er führte zu einem Desaster, das direkt 13 Menschenleben forderte und über 200 Millionen Dollar Schaden verursachte. Es war der „perfekte Sturm“.

Image showing the Perfect Storm of '91, south of Nova Scotia, on October 30, 1991

Das Bild zeigt den „perfekten Sturm von ´91“ südlich von Nova Scotia am 30. Oktober 1991.

Dort, wo die starken Stürme zusammentrafen, wurde das 22 Meter lange kommerzielle Fischereifahrzeug, die Andrea Gail, davon erfasst. Kapitän Frank „Billy“ Tyne junior war mit seiner fünfköpfigen Besatzung an den Grand Banks am Flämischen Cap vorbeigezogen. Trotz der Schlechtwetterwarnungen entschieden sich die Männer dafür, zu versuchen, nach Hause zu kommen, weil ihre Kühlanlage defekt war und ihre Ladung zu verderben drohte. Auf dem Heimweg wurden sie dann von den Sturmfronten eingeschlossen.

Die letzten aufgezeichneten Worte von Kapitän Tyne lauteten: „Sie kommt heran, Jungs, und sie ist stark!“ Treibstofffässer, ein Treibstofftank, ein leeres Rettungsboot und etwas Treibgut waren alles, was jemals von der Andrea Gail gefunden wurde. Kapitän Tyne und seine fünf Männer machten fast die Hälfte der Todesfälle aus, die in dem später so genannten „perfekten Sturm von´91“ bekannt wurden.

Wäre es nur ein Gewitter gewesen, hätten es die Männer durchkreuzen können. Wäre es nur ein Hurrikan gewesen, hätten sie ihn umfahren können. Hätte ihre Kühlanlage nicht versagt, hätten sie länger auf See bleiben können, ohne Gefahr zu laufen, durch stürmische See segeln zu müssen. Aber es kam alles zusammen. Das führte zu dem Unglück, in dem das Schiff sank und alle Menschen an Bord ihr Leben verloren.


Der perfekte Sturm

„Es war die beste aller Zeiten, es war die schlimmste aller Zeiten, es war das Alter der Weisheit, es war das Alter der Dummheit, es war die Ära des Glaubens, aber auch der Ungläubigkeit, es war die Jahreszeit des Lichts und die der Dunkelheit, es war der Frühling der Hoffnung, es war der Winter der Verzweiflung, wir hatten alles vor uns und wir hatten nichts vor uns, wir waren alle dabei, direkt in den Himmel zu gehen oder direkt in die andere Richtung - kurzum, die Zeit lag so weit entfernt wie die Gegenwart, dass einige ihrer lautesten Vertreter darauf bestanden, dass sie nur im höchsten Maße der Steigerung, sei es zum Guten oder zum Bösen, wahrgenommen werden konnte.“

Aus Charles Dickens: „Eine Geschichte aus zwei Städten“

Von einem „perfekten Sturm“ spricht man, wenn „Ereignisse sich so kombinieren, dass sie einzeln nicht gefährlich sind, in ihrer Kombination jedoch zu einem Desaster führen.“(1) Im Gegensatz zu normalen Stürmen verursacht die verstärkende Wirkung beim „perfekten Sturm“ die Kombination einer einzigartigen Reihe von Umständen.“(2) „Perfekte Stürme“ treten nicht sehr oft auf. Wenn sie jedoch eintreffen, sind ihre Auswirkungen immer katastrophal.

Glauben hei├čt siegen!

Glauben heißt siegen!

Im Europa des 16. Jahrhunderts braute sich ein „perfekter Sturm“ aus verschiedenen und oft konfliktreichen Überzeugungen zusammen. In Frankreich erlebte die Renaissance ihren Höhepunkt. In Deutschland übersetzte Martin Luther die Bibel in die allgemein verständliche deutsche Sprache, stellte die Autorität des Papstes in Frage und befürwortete die drastische Auffassung, dass man allein durch den Glauben gerettet wird. In Italien deutete Giordano Bruno an, dass die Sterne einfach entfernte Sonnen seien, möglicherweise umgeben von ihren eigenen Planeten, während Pietro Pomponazzi die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele anzweifelte. In der „neuen Welt“ eroberte Spanien das Aztekenreich. Überall in Europa marschierten muslimische Armeen ein und töteten oder versklavten auf ihren Eroberungsfeldzügen die Christen.

Europa selbst war gespalten in Katholiken und Protestanten. Die Lehre des Naturrechts, nach der allen Menschen von Geburt an bestimmte Rechte eigen sind, hatte sich durchgesetzt. Die neuen Ideen brachten neue Gedanken und neue Bestrebungen in den Herzen unzähliger, unterdrückter Bauern hervor, die sich gegen die hohen Steuern ihrer Herrscher auflehnten. Alles zusammen erzeugte den „perfekten Sturm“, der 200 Jahre später wiederum den Grundstein für das Zeitalter der Aufklärung legte. In diesem brodelnden Kessel voller chaotischer Veränderungen beschloss ein Ehepaar - koste es, was es wolle - der Wahrheit zu folgen. Ihre Zeit, in der sie aktiv für Jahuwah arbeiteten, war eigentlich sehr kurz (nur knapp zwei Jahre), aber von ihrem Einfluss und ihrem Beispiel der Treue im Angesicht der Verfolgung weiß man bis in unsere Tage.

Christoph Kolumbus hatte vor, eine neue Route nach Indien zu finden, indem er Richtung Westen segelte. Zu der Zeit, als er versuchte, finanzielle Unterstützung für diese Unternehmung zu finden, wurde in Stauffen, in Deutschland, ein kleiner Junge geboren: Michael Sattler. Über sein frühes Leben und seine Ausbildung ist wenig überliefert. Bekannt ist aber, dass er in das Kloster St. Petri bei Freiberg eintrat. Es wird vermutet, dass er schließlich Prior dieses Benediktinerklosters wurde. Das deutet auch darauf hin, dass er eine gute Arbeitsmoral hatte, ein fähiger Verwalter war und einen vertrauenswürdigen Charakter besaß. Als Prior war er der stellvertretende Leiter des gesamten Klosters. Er hatte somit eine respektable Machtposition inne, die ihn zum Mitglied der Oberschicht seiner Zeit machte.

Da Michael geradlinig in seinem Denken war, war er seinem Glauben treu ergeben. Er nahm an der Bursfeld-Reformation innerhalb der Benediktiner teil, die für die geistliche Erneuerung auf St. Petri eintrat. Vielleicht stellte er als Prior dabei sogar die treibende Kraft dar. Aber die Umstände änderten sich, so wie sie sich oft für die verschlimmern, die aufrichtig und ehrlich sind. Jahrhunderte später stellte Abraham Lincoln, Präsident der Vereinigten Staaten, fest: „Wenn ein Mann, der in seinem Irrtum aufrichtig ist, die Wahrheit hört, wird er entweder aufhören sich zu irren, oder aufhören ehrlich zu sein.“ Und Michael war ehrlich.

St. Peter's Monastery in Freiberg, Germany, where Michael Sattler rose to the rank of prior

Das Kloster St.Petri in Freiberg,
in dem Michael Sattler in den Rang eines Priors aufstieg

In den 1520er Jahren eroberten protestantische Bauern das St.-Petri-Kloster. Sie forderten die Abschaffung der Überbesteuerung und der Unterdrückung durch den Adel. Mit ihren neuen Vorstellungen von der Freiheit und Gleichheit aller Gläubigen wollten sie Gerechtigkeit aufgrund der in der Schrift enthaltenen Prinzipien erwirken.

Einige dieser Bauern waren Wiedertäufer. Sie unterzogen sich also als Erwachsene noch einmal der Taufe, weil sie die Kindertaufe als unbiblisch ablehnten. Sie proklamierten: „Wie kann ein Neugeborenes eine bewusste Entscheidung treffen, um Jahuwah zu dienen? Schließlich wurde doch auch der Erlöser selbst erst getauft, als er erwachsen war!“ Lukas 3,21-23a berichtet: „Es geschah aber, als alles Volk sich taufen ließ und auch Jahushua getauft wurde und betete, da tat sich der Himmel auf und der Heilige Geist stieg in leiblicher Gestalt wie eine Taube auf ihn herab, und eine Stimme ertönte aus dem Himmel, die sprach: Du bist mein geliebter Sohn; an dir habe ich Wohlgefallen!“ Jahushua war ungefähr 30 Jahre alt, als er mit seiner Mission begann.

Es ist wahrscheinlich, wenn nicht sogar sicher, dass die Bauern ihre Beschwerden - so wie sonst auch - an Michael als den Prior richteten. Obwohl nichts Schriftliches über seine Ansichten erhalten geblieben ist, sind uns doch drei Fakten bekannt:

  1. Michael Sattler war intellektuell redlich und ein gläubiger Christ. Als die Wahrheit aufgezeigt wurde, zögerte er nicht, sie zu akzeptieren.
  2. Michael verließ das Kloster in der Mitte des Jahres 1525.(3)
  3. Nach dem Verlassen des Klosters reiste er in das Gebiet um Waldshut, aus dem ursprünglich viele der Revolutionäre herkamen.

Diese uns bekannten Tatsachen lassen uns nicht nur darauf schließen, dass Michael als geradliniger Mensch nicht nur Sympathie und Interesse für die Gründe der Bauern empfand, sondern auch, dass ihr Glaube ihn völlig überzeugte. Nach seiner Ankunft in Waldshut bekam er jedenfalls die Gelegenheit, die Glaubensgrundsätze der Wiedertäufer weiter zu studieren.

Einige Monate später, vom 6. bis 8. November desselben Jahres, besuchte Michael den berühmten Disput über die Kindertaufe in Zürich, in der Schweiz. Er mochte dorthin gegangen sein, um einfach nur die Argumente, also das Für und Wider, zu hören. „1525 war die Reformation schon fester Bestandteil der Stadt Zürich.“(4) Allerdings hatten die Protestanten in Zürich das Konzept der wahren Religionsfreiheit noch nicht begriffen - das Recht des Einzelnen, frei nach seinen eigenen Überzeugungen anzubeten. Die protestantische Obrigkeit, die die Wiedertäufer vehement verfolgte, verhaftete Michael und warf ihn ins Gefängnis. Am 18. November wurde er schließlich freigelassen, nachdem er versprochen hatte, die Gegend zu verlassen.

Dieser frühe Widerstand war jedoch nur ein Vorgeschmack von dem, was bald geschehen würde.


Arbeitet, so lange es Tag ist! Es kommt die Nacht, da niemand wirken kann...

„Der wahre Charakter zeigt sich in den Entscheidungen, die ein Mensch unter Druck trifft – je größer der Druck, desto offenbarer werden seine grundlegenden Wesenszüge.“ Robert McKee: Story. Eig. dt. Übers.

Oil painting of artist's conception of the Anabaptist leader Michael Sattler preaching in the woods.

Ölgemälde nach der Vorstellung eines Künstlers vom Täuferführer Michael Sattler, der im Wald predigt

Irgendwann innerhalb der Zeitspanne von 1525 bis 1526 heiratete Michael eine ehemalige Beginen-Nonne namens Margaretha. Wie Michael war auch sie intellektuell redlich und hatte den Orden aufgrund ihrer persönlichen Überzeugung von der Wahrheit verlassen. Der Mut der beiden zeigte sich im Juni 1526, als Michael als Erwachsener seine Taufe wiederholte und sich auch Margaretha wahrscheinlich neu taufen ließ.

Die ersten Reformer verteidigten die Gewissensfreiheit als ein von Jahuwah gegebenes Recht. Als der Protestantismus jedoch zur Staatsreligion erhoben wurde, entwickelte auch er sich zu einer Verfolgungsmacht.

„Es ist eine Tatsache, die von vielen Historikern der letzten Jahre anerkannt wurde, dass die Verfolgung der Wiedertäufer die Verfolgung der frühen Christen durch das heidnische Rom in ihrer Schwere übertraf! Sie begann in Zürich, kurz nachdem die Brüder eine Gemeinde gegründet hatten. Auf die Inhaftierung mit unterschiedlichem Schweregrad, manchmal in dunklen Kerkern, folgten die Hinrichtungen. Innerhalb kurzer Zeit verloren die Leiter der Brüder durch die Verfolgung ihr Leben.

Die Erwachsenentaufe wurde zu einem Kapitalverbrechen erklärt. Preise wurden auf die Köpfe der Täufer festgesetzt. Ihnen Nahrung und Unterkunft zu geben, war kriminell. Der Herzog von Bayern gab 1527 den Befehl, die inhaftierten Täufer auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen. Im Falle, dass sie widerriefen, sollten sie enthauptet werden.“ (5)

Den Irrtum abzulegen und der Wahrheit zu folgen, bedeutete also eine reale Gefahr. Michael und Margaretha liebten jedoch die Wahrheit. Sie war ihnen wichtiger als alles andere. James Lane Allen schrieb: „Die Not erschafft keinen Charakter, sie offenbart ihn.“ Und das war bei den Sattlers der Fall. Die Schwierigkeiten enthüllten Eigenschaften, die in der Schule des Himmels verfeinert wurden und das Licht des Erlösers widerspiegelten.

Michaels und Margarethas Charakterstärke zeigte sich in ihrer anhaltenden Freundschaft mit denen, die mit ihrem Glauben nicht übereinstimmten. Ende 1526 ging Michael nach Straßburg und blieb dort bei Wolfgang Capito, einem deutschen Humanisten und führendem protestantischen Reformator. Letzteres war auch Martin Bucer, mit dem sich Michael ebenso in Straßburg traf. Capito und Bucer stimmten in einer Reihe von Punkten nicht mit Michael überein, einschließlich in der Haltung der Täufer gegen die Kindertaufe. „Die Protestanten dieser Zeit verachteten die Täufer nicht nur wegen ihrer Ansichten, sondern auch deswegen, weil die meisten ungebildet und unkultiviert waren. Michael war hingegen auf ihrer sozialen Ebene und sie kamen zu ihm und zollten ihm Respekt. Er rief sie dazu auf, die inhaftierten Wiedertäufer frei zu lassen.“(6) Trotz ihres unterschiedlichen Glaubens war Michaels freundlicher und liebenswürdiger Geist daran zu erkennen, dass er Capito und Bucer als seine „geliebten Brüder in Gott“ bezeichnete.

Auch unter den heute lebenden Gläubigen, die der Wahrheit folgen, nehmen viele eine harte, verurteilende Haltung gegenüber jenen ein, die noch nicht bereit sind, neues Licht zu empfangen. Es ist leicht, sie als verloren zu denunzieren, weil sie alte Irrtümer festhalten. Michaels liebevolle, Christus-ähnliche Gesinnung für jene, die seine Ansichten nicht teilten, ist ein Zeugnis für jeden, der heute der Wahrheit folgt. Eine Haltung des freundlichen, sanften Respekts vor dem Anderen die seine Würde achtet, erweckt das Gleiche auch in dessen Herzen. Nach Michaels Hinrichtung bezeichneten ihn Capito und Bucer selbst als ihren „lieben Freund in Gott“. Dies sagt eine Menge über den Charakter Michael Sattlers aus und das in einer Zeit, in der andere Protestanten sogar dafür bekannt waren, die zu foltern und auf dem Scheiterhaufen verbrennen zu lassen, mit denen sie nicht einverstanden waren.

Michaels Arbeit für den Himmel währte nur sehr kurz. Die „Wellen“, die sie schlug, sind auch heute noch spürbar. Im Januar bis Februar 1527 reiste Michael nach Lahr, einer Stadt nördlich von Freiburg, um mit anderen die Wahrheit zu teilen. Ende Februar begab er sich in das Dorf Schleitheim zu einem wichtigen, geheimen Treffen unter den Täufern. Die Zeiten waren gefährlich, denn für die, die an die Spitze als Leiter traten, betrug die Überlebenszeit nur etwa zwei Jahre. Michaels war weitaus kürzer.

Michael leitete das Treffen am 24. Februar, bei dem sich die Täufer über ihren Glauben einigten. Für ihre Zeit war das schon sehr revolutionär. Sie lehnten nicht nur die Säuglingstaufe ab, sondern prangerten auch die Taufformel an, die in völligem Gegensatz zu den Worten Jahushuas stand; sie erklärten ebenso, dass die Taufe nur ein äußerer Akt sei, um das bewusst geäußerte Glaubensbekenntnis des Gläubigen zu demonstrieren. Vor allem forderten sie die vollständige Trennung von Kirche und Staat.

Nachdem sie sich auf eine Glaubenserklärung von sieben Artikeln geeinigt hatten, fasste Michael sie zu einem Dokument namens „Schleitheimer Bekenntnis“ zusammen. Dieses ist bis heute von enormer Wichtigkeit für amische, mennonitische und baptistische Gemeinden.



Das Dorf Schleitheim im Norden von Zürich, nahe der deutschen Grenze


„In diesen Zeiten werden die Seelen der Menschen versucht...“

„Ich lernte, dass Mut nicht die Abwesenheit von Angst ist, sondern der Triumpf darüber. Der Mutige ist nicht der, der keine Angst hat, sondern der, der diese Angst überwindet!“ - Nelson Mandela

Es gibt eine Art Hochstimmung, die sich bei denen einstellt, die wissen, dass das, was sie tun, richtig ist. Michael und Margaretha Sattler empfanden nach dem erfolgreichen Treffen in Schleitheim zweifellos Freude und Hoffnung für die Zukunft der Wahrheit. Dies sollte jedoch nicht lange andauern. Petrus warnte: „Seid nüchtern und wacht! Denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen kann.“ (1. Petrus 5,8.)

Wann immer die Wahrheit einen Sieg erringt, werden die Gegner der Wahrheit ihr Bestes tun, um sie zu bekämpfen. Nur kurze Zeit nach dem Schleitheimer Treffen wurden Michael und Margaretha Sattler zusammen mit einigen anderen Täufern im Auftrag des Grafen Joachim von Zollern, dem Regenten des Erzherzogs Ferdinand von Österreich, in Horb verhaftet. Im März 1527 wurden sie in den Gefängnisturm in Binsdorf gebracht.

Man stelle sich vor, dass das ganz normale Menschen waren. Da die Verhaftung so schnell nach dem triumphalen Treffen in Schleitheim stattgefunden hatte, blieb die Handvoll Gläubige erschüttert und verängstigt zurück. Niemand will sich Verfolgung, Folter und Tod ausgesetzt sehen. Aus dem Gefängnis schrieb Michael einen Brief an sie, in dem er sie ermutigte, stark und voller Glauben zu sein.

„Ich bezeuge euch durch die Gnade Gottes, dass Ihr wacker seid und wandelt, wie es den Heiligen Gottes geziemt und wohl ansteht... Entfernt euch nicht von dem Ziele, wie bisher einige getan, sondern verfolgt, ohne abzuweichen, den geraden Weg in aller Geduld, damit ihr nicht selbst das Kreuz, welches Gott euch aufgelegt, Gott zur Schmach und Unehre wie auch zur Übertretung und Auflösung seiner ewigen, wahrhaftigen, gerechten und lebendigmachenden Gebote aufhebt und wieder ablegt.

Werdet nicht müde, wenn Ihr von dem Herrn gestraft werdet, denn diejenigen, die Gott liebhat, züchtigt er, wie ein Vater, der ein Wohlgefallen an seinem Sohne hat. Was wollet ihr denn anfangen, wenn ihr Gott entfliehen wollet? Was wird es euch helfen, wenn ihr Gott entlaufen wollet? Ist es nicht Gott, welcher Himmel und Erde erfüllt?

...Und lasst euch von niemand den Grund verrücken, welcher durch den Buchstaben der Heiligen Schrift gelegt und mit dem Blute Christi und vieler Zeugen Jesu versiegelt ist. ... Überlegt, was ich euch schreibe; lasst euch diese Dinge zu Herzen gehen, damit ihr ...als fruchtbare, demütige und gehorsame Kinder Gottes erfunden werden mögt. Liebe Brüder! Verwundert euch nicht, dass ich diese Dinge so nachdrücklich verhandle, denn es geschieht nicht ohne Grund. Die Brüder haben es euch sicherlich bekannt gemacht, dass einige von uns gefangen seien, und als die Brüder zu Horb ebenfalls gefangen genommen, hat man uns nachher nach Binsdorf geführt. In dieser Zeit sind uns viele Anschläge der Widersacher begegnet, bald haben sie uns mit dem Stricke, bald mit Feuer oder dem Schwerte gedroht. In solcher Gefahr habe ich mich ganz in des Herrn Willen gegeben und mich um seines Zeugnisses willen mit allen meinen Mitbrüdern und meiner ehelichen Schwester zum Tode bereitet, dabei gedachte ich der Menge der falschen Brüder, und an eurer, deren nur wenige sind, weil überhaupt nur wenige treue Arbeiter in des Herrn Weinberge sind, darum habe ich für nötig erachtet, euch mit solcher Ermahnung aufzumuntern, uns in dem Streite Gottes nachzufolgen, damit Ihr euch damit trösten und in des Herrn Züchtigung nicht müde werden mögt.“(7)

The Great & Precious Promises

Große & kostbare Verheißungen

Michaels Worte leuchten wie reines Gold, unbeschadet durch die Jahrhunderte, die seitdem vergingen. Sein Glaube an Jahuwah und seine Liebe zur Wahrheit waren unerschütterlich.

Der Prozess fand vom 17. bis 18. Mai 1527 in Rottenburg statt. Michael sprach zur Verteidigung aller Gefangenen und berief sich auf die Heilige Schrift als höchste Autorität in Sachen von Recht und Unrecht.

Michael hatte verstanden, dass wahre Geistlichkeit viel mehr als nur ein Lippenbekenntnis zu seinem Glauben ist - sie muss aus dem Herzen kommen. So erklärte er zum Beispiel, warum die Täufer sich dagegen aussprachen, Waffen zu führen, und sagte:

„Wenn gleich der Türke käme, so solle man ihm keinen Widerstand tun, denn es steht geschrieben: Du sollst nicht töten; wir sollen uns gegen den Türken und unsere übrigen Verfolger nicht wehren, sondern mit ernstlichem Gebete bei Gott anhalten, dass er sie zurücktreiben und ihnen Widerstand tun wolle. Dass ich aber gesagt habe, wenn das Kriegführen recht wäre, so wollte ich lieber gegen die sogenannten Christen ausziehen, welche die frommen Christen verfolgen, fangen und töten, als gegen die Türken, ist deshalb geschehen: Der Türke ist ein rechter Türke, weiß nichts von dem christlichen Glauben und ist ein Türke dem Fleisch nach. Ihr aber wollt Christen sein, und rühmet euch Christi, aber ihr verfolgt die frommen Zeugen Christi und seid Türken dem Geiste nach.“(8)

Solche Sätze zu sagen, erforderte ungeheuren Mut! Seine Verteidigung fasste er mit einem weiteren, kühnen Ausspruch zusammen:

„...Ihr Diener Gottes, ich ermahne euch, ihr wollet überlegen, dass ihr von Gott eingesetzt seid, den Bösen zu strafen, den Frommen aber zu schützen und zu beschirmen.

„Weil wir nun nicht gegen Gott u. das Evangelium gehandelt haben, so werdet ihr auch finden, dass wir uns nicht, weder ich noch meine Brüder und Schwestern, mit Worten oder Werken an der Obrigkeit vergangen haben. Darum, ihr Diener Gottes, wenn ihr das Wort Gottes nicht gehört oder gelesen habt, so schickt nach den Gelehrtesten und nach den göttlichen Büchern, der Bibel, aus welchem Lande sie auch sein mögen, und lasst dieselben mit uns über das Wort Gottes eine Unterredung halten, und wenn uns dieselbe mit der Heiligen Schrift beweisen, dass wir irren und Unrecht haben, so wollen wir gerne davon abstehen und einen Widerruf tun, auch das Gericht annehmen und die Strafe dafür, weshalb wir angeklagt sind, gerne leiden, so hoffe ich zu Gott, dass ihr euch bekehren und unterrichten lassen werdet.“

Über diese Reden lachten die Richter und steckten die Köpfe zusammen, der Stadtschreiber von Ensisheim aber sprach: „Ja, du ehrloser, verzweifelter Bösewicht und Mönch, sollte man sich wohl in einen Wortstreit mit dir einlassen! Ja der Scharfrichter soll mit dir disputieren, glaube es mir gewiss.

Michael sagte: „Was Gott will, soll geschehen.“(9)

Nach nur anderthalb Stunden Beratung kehrten die Richter zurück und verkündeten das Urteil:

„Zwischen Kais. Majestät Statthalter und Michael Sattler ist zu Recht erkannt worden, dass man Michael Sattler dem Scharfrichter in die Hände geben soll; derselbe soll ihn auf den Platz führen und ihm die Zunge abschneiden, ihn dann auf einen Wagen schmieden und seinen Leib daselbst zweimal mit glühenden Zangen reißen: und endlich soll man ihn vor das Stadttor bringen und ihm daselbst fünf Griffe geben.“(10)

Es war eine schreckliche, grauenvolle Strafe: Seine Zunge sollte herausgeschnitten und Teile seines Körpers mit glühenden Eisen zerstückelt werden, um ihn schließlich lebendig zu verbrennen. Einige Gefangene widerriefen. Michael jedoch blieb standfest. Am 20. Mai 1527 wurde Michael auf den Marktplatz von Rottenburg gebracht und gefoltert. Dieses Vorgehen aber brachte seinen Glauben nicht zu Fall. Obwohl ihm ein Teil der Zunge abgetrennt wurde, betete er ununterbrochen und sprach:

„Allmächtiger, ewiger Gott, du bist der Weg und die Wahrheit; weil mir nicht gezeigt wurde, dass ich im Irrtum bin, werde ich mit deiner Hilfe an diesem Tag die Wahrheit bezeugen und sie mit meinem Blut besiegeln.“ Dann wurde er in ein großes Feuer gestoßen. Als die Seile, die seine Hände zusammenhielten, verbrannt waren, gab er seinen Leuten ein Zeichen, um ihnen zu zeigen, dass er trotz seines Schicksales zuversichtlich sei und betete: „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände.“(11)



 

Am 20. Mai 1527 wurde Michael Sattler nach der Folterung an eine Leiter gefesselt und dann in ein Feuer gestürzt.
So besiegelte er sein Zeugnis mit seinem Blut. Er gehörte weniger als zwei Jahre der Wiedertäuferbewegung an.
Das Bild zeigt die Verbrennung einer Wiedertäuferin.


Getreu bis in den Tod

„Wirklicher Mut ist, wenn du weißt, dass du schon verloren hast, bevor du überhaupt begonnen hast. Aber du fängst es trotzdem an und ziehst es durch, egal, was passiert.“

Harper Lee: „Wer die Nachtigall stört“

Von Margaretha Sattler ist nur wenig bekannt, außer, dass sie schon bald ihrem Ehemann in den Tod nachfolgte. Margaretha „war offenbar eine Frau mit starken Überzeugungen. Sie war eine der wenigen Frauen, die der Reformation aktiv verbunden waren. Viele der anderen Frauen, die mit ihr inhaftiert waren, waren Ehefrauen der „Radikalen“. Aber sie wurden freigelassen, weil sie entweder nicht wirklich in die Bewegung involviert waren oder aber, sie widerriefen nach ihrer Gefangenname, was auf die Mehrheit von ihnen zutraf.“(12)

Margarethas Mut und ihre Stärke beeindruckten sogar die Gräfin von Hechingen, die Gattin des Grafen Joachim von Zollern, unter dessen Befehl die Sattlers verhaftet worden waren und welcher der Hauptrichter in ihrem Prozess war. Die Gräfin besuchte Margaretha im Gefängnis, drängte sie zum Widerruf und versprach ihr einen Platz an ihrem Hof.

Margarethas Antwort an die Gräfin offenbarte ihre Kraft und ihre eigenen Überzeugungen. Als die Gräfin versuchte, ihr einzureden, dass sie nur im Gefängnis sei, weil sie eine pflichtbewusste Ehefrau war und ihrem Mann gehorchte, antwortete Margaretha tapfer: „Ich folge meinem Glauben nicht wegen meines Mannes. Ich folge meinem Mann wegen meines Glaubens.“13

Zwei Tage nach der Verbrennung ihres Mannes wurde Margaretha an den Neckar gebracht und dort am Mittwoch, den 22. Mai 1527, ertränkt. So währte ihre Ehe nur zwei Jahre, ihre Leiterschaft innerhalb der Täuferbewegung weniger als ein Jahr.



Der Gedenkstein für Michael und Margaretha Sattler trägt die einfache Aufschrift: „Sie starben für ihren Glauben“.


Umgeben von einer großen Wolke von Zeugen...

„Mut ist nicht Furchtlosigkeit, sondern der Widerstand gegen die Angst und deren Beherrschung.“ - Mark Twain

Die Lebenszeit von Michael und Margaretha Sattler wurde viel zu schnell beendet. Aber für die, die in der Zeit der Wiederkehr Jahushuas leben, für die, welche die letzten Tage der Erdgeschichte zur Ehre Jahuwah´s überstehen müssen, sind sie ein strahlendes Licht. Ihre Geschichte ist zugleich auch ein Versprechen, dass Jahuwah auch für dich tun kann, was er für sie tat.

Stuart Hamblen war ein Sänger, Schauspieler und Radiomoderator, der ein wildes Leben führte. Nachdem er sein Leben Jahushua übergeben hatte, erlebte er eine erstaunliche Veränderung seines Lebens und seines Charakters. Ganz Hollywood war außer sich, aber zugleich auch etwas amüsiert darüber, dass der einstige Lebemann nun ein bekennender Christ war. Eines Nachmittags traf Hamblen einen Freund, seinen Schauspielerkollegen John Wayne.

„Was ist da von dir zu hören, Stuart?“ fragte Wayne.

Hamblen antwortete: „Nun, du weißt, was sie so erzählen, John. Es ist kein Geheimnis, was Gott tun kann.“

„Klingt wie der Name eines Liedes“, sinnierte Wayne.

Stuart Hamblen ging nach Hause und machte ein Lied daraus. Das Zeugnis von Michael und Margaretha Sattler, die Lektion, die sie uns heute lehren, wird durch die Worte dieses Liedes gut zusammengefasst:

„Es ist kein Geheimnis, was [Jahuwah] tun kann.
Was er für andere tat, das tut er auch für dich.
Mit weit geöffneten Armen wird er dir vergeben.
Es ist kein Geheimnis, was [Jahuwah] tun kann.“

Die Gläubigen von heute haben eine einzigartige Chance. Jetzt leben wir in den letzten Tagen der Weltgeschichte. Die Zeit der Schwierigkeiten liegt kurz vor uns. Wenn die Posaunen beginnen zu tönen, gibt es bis zum Ende keinen Aufschub mehr. Ein beispielloses Chaos wird die Welt zum Zerbersten bringen. Wenn Dämonen, die sich als außerirdische Wesen ausgeben, über die Erde herfallen, wenn der Papst zum Führer der gesamten Menschheit erhoben, wenn falsche Anbetung durch die Androhung von Schmerz und Tod erzwungen wird, ist dein Glaube dann stark genug, dem Gesetz Jahuwah´s zu gehorchen? Wenn Satan kommt und sich selbst als Jahushua ausgibt und behauptet, den ursprünglichen Sabbat auf den Sonntag im gregorianischen Kalender geändert zu haben, wirst du dich dann allein an das Wort Jahuwahs klammern?

Der Gedanke, sich Verfolgung und Tod zu stellen, mag für dich erschreckernd sein. Und du magst denken, dass du nicht den Mut der Märtyrer hast. Doch stell´ dir vor: Sie hatten ihn auch nicht von sich aus! Diese Courage ist ein Geschenk, das Jahuwah seinen treuen Kindern gibt, wenn sie es brauchen.

Du brauchst die kommenden Tage nicht zu fürchten. Du brauchst dir keine Sorgen zu machen, ob du unter der Folter zerbrichst. Du kannst das alles in die Hände eines liebenden Vaters legen.

Der „perfekte Sturm“ kommt! Böse Kräfte, dämonische und menschliche, werden sich vereinen, um alle vom Angesicht der Erde zu vertilgen, die Jahuwah ehren.

Deine Aufgabe jetzt und heute ist es, Jahuwah so gut kennenzulernen, dass du an ihm festhältst, an seinen Verheißungen und an seiner Liebe. Das ist alles.

Triff die Entscheidung! Mit weit geöffneten Armen wird er dir vergeben. Also geh zu ihm.

Heute.



Ein „perfekter Sturm“ ist im Anzug. Bereite dich heute darauf vor, so dass, wenn er losbricht, du nicht von ihm mitgerissen wirst.

„Jahuwah ist unsere Zuflucht und Stärke, ein Helfer, bewährt in Nöten. Darum fürchten wir uns nicht, wenn auch die Erde umgekehrt wird und die Berge mitten ins Meer sinken, wenn auch seine Wasser wüten und schäumen und die Berge zittern vor seinem Ungestüm.“ (Psalm 46,2-4.)

 

 


1 http://www.thefreedictionary.com/perfect+storm

2 http://www.dictionary.com/browse/perfect-storm

3 Einige Quellen weisen darauf hin, dass Michael das Kloster bereits 1523 verlassen haben könnte.

4 http://history-switzerland.geschichte-schweiz.ch/reformation-switzerland-calvin.html

5 http://www.gracegems.org/C/persecution_of_the_anabaptists.htm, emphasis original.

6 https://williamshiggins.net/2014/12/30/a-story-of-faithfulness-michael-margaretha-sattler/

7 Thieleman Van Braght und Jan Luyken: Märtyrerspiegel. S.6, Absatz 4.

8 Ebd., S. 4, Absatz 9.

9 Ebd. S. 4, Absatz 10.

10 Ebd., S. 5, Absatz 4.

11 http://www.reformationhappens.com/people/sattler/

12 http://www.theradicalsmovie.com/margarethasattler.htm

13 http://www.theradicalsmovie.com/margarethasattler.htm, sowie aus dem Film „The Radicals“